Askese Definition Religion Essay

What Is Religion? Essay

1614 Words7 Pages

What is religion? Each person’s definition of religion is different. Each person’s faith is different. This is a question that has been asked for centuries, and regardless of the answer given there is no right or wrong answer. Religion can be defined as a group of people who have shared beliefs who feel their life has purpose or meaning. This feeling or belief that their life has meaning can come from outside of themselves, as well as within. Taking this one step further, these shared beliefs put into action in the form of worship, can be easily identified because they happen regularly. It can be said the Primal religions were in fact not religions. Some may argue Confucianism is not a religion. Others may say Taoism is not a…show more content…

They are teachings learned by previous generations then passed down, they are not always actions. The fifth feature of religion is grace. Grace is defined by Smith as “the belief and assurance that reality is on our side and can be counted on.” Lastly there is mystery. For this there is no exact definition, but it is all of what a religion cannot explain, it is all that the human mind cannot grasp, it is the certain “higher power” that religion offers. Of these six features, there are three that are present in most all religions, they are: authority, tradition, and mystery. Authority, tradition, and mystery further explore and define religion when looking specifically at Primal Religions, Confucianism, and Taoism. Primal Religions are often mistaken to be the religion of the primitive man, often thought to be unintelligent. There is a definition of “primal” that is better suited than unintelligent or primitive. Primal in terms of religion, refers to the lack of exposure to technology, it is not “knowing” the state of consciousness given to many by the technological environment. Primal religions preceded organized religion as we know it today by thousands of years, in some cases millions, but are still present in the world today; we now call them tribal religions. Within primal religions there are people who are knowledgeable about life, who are knowledgeable about
Defining Religion-4 traditions, and who are

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Askese (altgriechischἄσκησιςáskēsis), gelegentlich auch Aszese, ist ein vom griechischen Verb askeín (ἀσκεῖν) ‚üben‘ abgeleiteter Begriff. Seit der Antike bezeichnet er eine Übungspraxis im Rahmen von Selbstschulung aus religiöser oder philosophischer Motivation. Angestrebt wird damit die Erlangung von Tugenden oder Fähigkeiten, Selbstkontrolle und Festigung des Charakters. Der Praktizierende wird Asket (griechisch ἀσκητής askētḗs) genannt.

Eine asketische Schulung beinhaltet Disziplinierung sowohl hinsichtlich des Denkens und Wollens als auch hinsichtlich des Verhaltens. Dazu gehört einerseits „positiv“ das beharrliche Einüben der angestrebten Tugenden oder Fähigkeiten, andererseits „negativ“ das Vermeiden von allem, was nach der Überzeugung des Asketen der Erreichung seines Ziels im Wege steht. Den Ausgangspunkt bildet die Annahme, dass eine disziplinierte Lebensweise die Beherrschung der Gedanken und Triebe voraussetzt. Die auffälligste Auswirkung auf die Lebenspraxis besteht im freiwilligen Verzicht auf bestimmte Bequemlichkeiten und Genüsse, die der Asket für hinderlich und mit seinem Lebensideal unvereinbar hält. Meist betrifft der Verzicht in erster Linie die Bereiche Genussmittel und Sexualität. Hinzu kommen Maßnahmen zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung, in manchen Fällen auch Übungen im Ertragen von Schmerzen.

Im heutigen Sprachgebrauch ist die Bedeutung der Wörter Askese, asketisch und Asket oft auf eine freiwillige Enthaltsamkeit eingeengt, die zwecks Erreichung eines als höherwertig geltenden Ziels praktiziert wird. Dabei können religiöse oder philosophische Motive in den Hintergrund treten oder ganz entfallen.

Erscheinungsformen und Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Religionswissenschaft fallen zahlreiche Praktiken der Selbstkontrolle und des Verzichts unter den Begriff Askese. Als Asketen bezeichnet man Menschen, die sich einer von dauerhaft ausgewählten Askesepraktiken bestimmten Lebensform verschrieben haben. Viele Asketen haben Texte verfasst, in denen ihre Lebensweise dargestellt wird, oft idealisierend und werbend. In der neueren Forschung werden verschiedene kulturübergreifende Vorschläge zur Definition der Askese erörtert, darunter die Bestimmung als „zumindest teilweise systematisches Programm der Selbstdisziplin und Selbstverleugnung“.[1]

In zahlreichen Religionen und in den Verhaltensnormen vieler indigener Völker wird Askese positiv bewertet und – oft nach festen Regeln – zeitweilig oder dauerhaft, individuell oder kollektiv praktiziert. Häufig sind befristete Askeseübungen, etwa Einhaltung bestimmter periodisch wiederkehrender Buß-, Fasten- oder Trauerzeiten oder Enthaltsamkeit und Abhärtung im Rahmen der Vorbereitung auf Übergangsriten.[2]

Die Aspekte der Freiwilligkeit und des bewusst angestrebten übergeordneten Ziels gehören zumindest theoretisch immer dazu. Daher gilt jemand, der unter dem Zwang äußerer Umstände wie Nahrungsmittelknappheit und Armut ein bescheidenes, genussarmes Leben führt, nicht als Asket. Allerdings ist Askese oft ein Bestandteil strikter religiöser oder sozialer Normen, die für Angehörige bestimmter Gruppen oder in manchen Fällen für alle Gläubigen verbindlich sind. Der Übergang zwischen Freiwilligkeit und Zwang, bloßer Empfehlung und mit Sanktionsandrohung verbundener Vorschrift ist daher fließend.[3]

Erscheinungsformen von Askese, die in unterschiedlichen Kombinationen auftreten, sind:

  • zeitweiliger oder dauerhafter Verzicht auf alle oder manche Genussmittel und insbesondere Meidung von Rauschmitteln
  • Nahrungsaskese (Fasten oder Beschränkung der Ernährung auf das Lebensnotwendige)[4]
  • sexuelle Enthaltsamkeit (zeitlich befristet oder dauerhaft als Zölibat)[5]
  • Verzicht auf Kosmetik und Körperpflege (beispielsweise auf Waschen, Bart- und Haareschneiden; das Haar wird ganz oder teilweise rasiert oder es wird überhaupt nicht mehr geschnitten)[6]
  • bescheidene oder auch grobe, unbequeme Kleidung, in manchen Fällen auch Nacktheit[7]
  • Schlafentzug[8]
  • freiwilliges Aushalten von Kälte oder Hitze
  • harte Schlafstätte
  • Verzicht auf Besitz, freiwillige Armut, Betteln[9]
  • Rückzug aus der normalen sozialen Gemeinschaft[10]
  • Einordnung in die Gruppendisziplin einer religiösen oder weltanschaulichen Gemeinschaft, die Verzicht auf Befriedigung persönlicher Bedürfnisse fordert
  • Gehorsam gegenüber einer spirituellen Autoritätsperson, beispielsweise einem Abt oder Guru[11]
  • Kommunikationsverzicht (Schweigegebot)[12]
  • Beschränkung der Bewegungsfreiheit (Klausur, Einsiedlerzelle)
  • Heimatlosigkeit, „Hauslosigkeit“ (permanente Wanderschaft, Pilgerwesen)[13]
  • körperliche Übungen wie die japanische Laufaskese im Ritual Kaihōgyō,[14] langes Stehen, ausdauerndes Sitzen in besonderen Positionen[15]
  • körperliche Schmerzen und Verwundungen, die der Asket sich selbst zufügt, als Sonderform der Askese.[16]

Motivationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründe für Askese sind vielfältig. Ein Motiv ist eine fundamental kritische Einstellung zur Welt. In ausgearbeiteten religiösen und philosophischen Lehrsystemen bildet den Hintergrund der Askeseforderung meist eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Weltablehnung; die sinnlich wahrnehmbare Welt wird zwar nicht in allen asketisch orientierten Systemen als absolut schlecht eingestuft, doch gilt sie gewöhnlich als bedrohlich, fragwürdig und von Natur aus sehr mangelhaft. Daher will der Asket seine innere und äußere Abhängigkeit von ihr so weit wie möglich reduzieren, indem er seine auf sinnlichen Genuss gerichteten Begierden und Erwartungen eindämmt oder beseitigt und Genügsamkeit einübt. Eine positive Motivation liefert das Tugendstreben, das aus asketischer Sicht nur dann erfolgreich sein kann, wenn die erwünschten Tugenden unablässig durch asketische Praxis eingeübt werden. In Religionen, die von einem Leben nach dem Tod ausgehen, dient asketisches Streben nach Tugendhaftigkeit in erster Linie der Vorbereitung auf ein künftiges besseres Dasein im Jenseits. Manche Asketen, die eine vorteilhafte Stellung im Jenseits erhoffen, wollen sich durch ihre Askese dafür qualifizieren. Sie erwarten eine jenseitige Belohnung für ihren irdischen Verzicht. Ein eher diesseitsbezogenes Motiv, das auch in weltbejahenden Lehren auftritt, ist das Bedürfnis, durch Übung eine überlegene Haltung gegenüber den Wechselfällen des Schicksals zu gewinnen. Man will den Herausforderungen des Lebens besser gewachsen sein. Das Ziel ist innere Unabhängigkeit und Freiheit von Ängsten und Sorgen.[17] Ein weiterer Aspekt ist Machtgewinn: Bei Magiern, Schamanen und Mitgliedern von Geheimbünden sollen zeitlich begrenzte asketische Praktiken der Erlangung magischer Fähigkeiten dienen. Der Praktizierende kann sich davon Macht über seine Umgebung und einen hohen sozialen Rang erhoffen.[18]

Askese kommt in vielen Varianten und Abstufungen von gemäßigt bis radikal vor. Dementsprechend schwankt auch das Ausmaß der Skepsis gegenüber dem Genuss. Radikale Asketen beurteilen sinnlichen Genuss grundsätzlich negativ. Sie meinen, er sei mit ihren philosophischen oder religiösen Zielen von Natur aus unvereinbar und schaffe nur unerwünschte Abhängigkeiten. Daher wollen sie die darauf gerichteten Begierden möglichst restlos ausrotten. In gemäßigten Varianten des Asketismus wird der Genuss nicht unter allen Umständen verworfen, sondern man will nur der Abhängigkeit von ihm ein Ende setzen.

Traditionen indischen Ursprungs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Indien traten anscheinend bereits in der Epoche der Indus-Kultur (3. und frühes 2. Jahrtausend v. Chr.) Asketen auf.[19] Die ältesten bekannten religiös-philosophischen Systeme, in denen radikale oder gemäßigte Askese einen wesentlichen Bestandteil bildet, sind in Indien entstanden: der Jainismus, der Buddhismus und der Hinduismus.[20]

Hinduismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den älteren Schriften der vedischen Religion, die sich ab der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. nach der Einwanderung der Arier ausbildete, kommt Askese nur vereinzelt vor. In den Upanishaden, deren Abfassung in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. begann, spielt jedoch der Fachausdruck für Askese, tapas (im Sanskrit „Hitze“ oder „Glut“),[21] bereits eine wichtige Rolle. Gemeint ist die innere Glut, die der Asket durch seine Bemühungen (śrama) erzeugt. Eine der Übungen besteht darin, dass man sich der Sonne aussetzt und rings um sich Feuer entzündet. Tapas soll dem Praktizierenden außergewöhnliche Kraft und Macht verleihen; man will sich über die Grenzen des gewöhnlich Möglichen erheben. Bei diesem Bestreben geht es um den Stärkungsaspekt der Askese, der auch im Yoga ein wesentliches Teilziel darstellt. Daneben ist auch die Weltablehnung und angestrebte Befreiung von der materiellen Welt ein Kernbestandteil der in Indien entwickelten Askese-Konzepte. Ideale der altindischen asketischen Lebensführung, die bis in die Gegenwart nachwirken, sind die Wahrheitsergreifung, das Nichterwerben und das Nichtverletzen (ahiṃsā).[22]

In den Dharmasutras (Handbüchern der religiösen Vorschriften), die ungefähr im 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr. aufgezeichnet wurden, finden sich genaue Angaben über die Lebensweisen eines „Waldbewohners“ (vānaprastha) und eines Wanderasketen (parivrājaka). Dabei handelte es sich um Asketen, die sich – oft erst in fortgeschrittenem Alter – entweder in die Waldeinsamkeit zurückzogen oder bettelnd umherzogen. Sie führten anspruchsvolle Körperübungen aus, deren Ziel es war, den Körper zu „reinigen“ oder „auszutrocknen“ und zugleich eine gleichmütige Grundhaltung zu erlangen und auch unter schwierigsten Verhältnissen zu bewahren. Für die Ernährung und Kleidung der Asketen und für die Umsetzung des Prinzips der Besitzlosigkeit gab es detaillierte Regeln. Alles unnötige Reden war strikt zu vermeiden.[23]

Viele indische Weise (Rishis) praktizierten und empfahlen eine asketische Lebensweise. Asketen genießen in der hinduistischen Gesellschaft traditionell hohen Respekt. Sie treten als Yogis, Sadhus („Gute, die das Ziel erreichen“) oder Sannyasins („Entsagende“), als Fakire oder als Anhänger des Tantrismus auf.[24]

Berühmte Asketen der Moderne wie Ramakrishna († 1886) und Ramana Maharshi († 1950) wurden auch im Westen bekannt. Eine besonders starke Breitenwirkung erzielte Mahatma Gandhi († 1948), der dem traditionellen hinduistischen Askese-Ideal durch sein Vorbild einen neuen, lange und stark nachwirkenden Impuls gab.[25]

Buddhismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begründer des Buddhismus, Siddhartha Gautama, der nach heutigem Forschungsstand im späten 5. oder frühen 4. Jahrhundert v. Chr. starb, praktizierte anfänglich eine sehr strenge Askese, die er aber abbrach, als er zur Auffassung gelangte, dass sie nutzlos sei.[26] Daraufhin formulierte er die buddhistische Lehre in Abgrenzung von den Askesepraktiken der brahmanischen Mönche und des Jainismus, die er ablehnte. Er verkündete den „mittleren Weg“ (Pali: majjhimā paṭipadā) zwischen den beiden Extremen einer aus seiner Sicht übertriebenen Askese und eines ungeregelten Genusslebens. Dieser Weg war ursprünglich für bhikkhus (Mönche, wörtlich „Bettler“) konzipiert und enthielt asketische Bestimmungen für ein Mönchsleben, aber keine selbstquälerischen Praktiken. Der Körper sollte nicht geschädigt oder geschwächt werden.[27]

Der Begriff des Asketen war den frühen Buddhisten bekannt. Sie sprachen von samaṇa („jemand, der sich anstrengt“). Zu den Vorschriften gehörten Besitzlosigkeit, einfachste Kleidung, völlige sexuelle Enthaltsamkeit, Verzicht auf berauschende Getränke und die Verpflichtung, alles zu essen, was in die Bettelschale gelegt wird. Die Mönche hatten keinen festen Wohnsitz, sie wanderten das ganze Jahr mit Ausnahme der Regenzeit umher. Daher wurden sie auch als „in die Hauslosigkeit Hinausgezogene“ bezeichnet. Asketische Übungen, die den Mönchen und Nonnen nicht vorgeschrieben waren, aber in strengeren Richtungen empfohlen wurden, nannte man dhutaṅgas („Mittel zum Abschütteln“). Dabei handelte es sich um Einschränkungen in der Ernährung, der Kleidung und den Wohnverhältnissen, die teils weit über die allgemein praktizierte Enthaltsamkeit der Ordensangehörigen hinausgingen. Dhutaṅgas werden noch heute in der „thailändischen Waldtradition“ geschätzt.[28]

Jainismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jainismus ist unter den in Indien entstandenen Religionen diejenige, die an ihre Anhänger – sowohl Mönche und Nonnen als auch Laien – die härtesten Askese-Anforderungen stellt. Besonders hinsichtlich der Ernährung sind zahlreiche strenge Vorschriften zu beachten, Genuss ist dabei verpönt und es wird viel gefastet. Das Gebot einer konsequenten Gewaltlosigkeit (ahiṃsā) erstreckt sich auf den Umgang mit sämtlichen Lebensformen, bezieht also auch schädliche Insekten und Kleinstlebewesen ein. Dies bringt im Alltag eine Vielzahl von Einschränkungen und Unbequemlichkeiten mit sich, denn auch versehentliche Schädigung von Lebewesen aller Art ist durch Vorsichtsmaßnahmen möglichst zu verhüten. Hinzu kommt eine rigorose Kontrolle der Gedanken.[29]

Das Ziel der Askese (tava) ist die Vermeidung sündhafter Verstrickungen, die nach der Jaina-Lehre schädliches Karma erzeugen und damit die Fortdauer eines leidvollen Daseins bewirken. Angestrebt wird eine möglichst radikale Ablösung der Seele(jiva) von der diesseitigen Welt. Durch die Entsagung wollen die Gläubigen ihre Erlösung herbeiführen. Sie möchten dem Diesseits entrinnen und Zugang zu einem transzendenten Jenseits erlangen, in dem sie dann endgültig verbleiben. Ihre Vorbilder sind dabei die Tirthankaras, berühmte Asketen wie Parshva und Mahavira, die nach dem Glauben der Jainas dieses Ziel erreicht haben.[30]

Als Voraussetzung für den Erfolg gilt nicht nur die Wahrung der äußerlichen asketischen Disziplin, sondern auch die Ausrottung schädlicher Regungen wie Stolz. Diesen Aspekt veranschaulicht die Legende von dem stolzen Asketen Bahubali, dessen Bemühungen trotz perfekter äußerer Selbstbeherrschung scheiterten, bis er seinen Stolz erkannte und überwand. Schädliche Leidenschaft, die das asketische Leben behindert, zeigt sich nach der Jaina-Lehre in den vier Formen Zorn, Stolz, Täuschung und Gier. Zorn entsteht bei der erlebten oder vorausgesehenen Wegnahme von Angenehmem oder durch das Zubringen unangenehmer Dinge sowie bei Kränkung. Anlass zu Stolz oder Dünkel bieten körperliche und geistige Vorzüge und Leistungen sowie sozialer Rang; asketische Praxis und elitäres Wissen machen religiöse Menschen eingebildet. Täuschung oder Trug ist alles, was der Wahrheit widerspricht: sowohl die eigene Hinwendung zu Irrtümern und schlechter Lebensweise als auch die Irreführung anderer. Jede der vier Leidenschaften führt zu Karma und muss daher vollständig ausgeschaltet werden. Dies geschieht durch die Askese, welche die Abwehr (saṃvara) der drohenden schlechten Einflüsse und die Tilgung (nijjarā) des bereits zugeströmten Karmas umfasst. Zu den Mitteln der Abwehr gehört das Ertragen der zweiundzwanzig Anfechtungen, darunter Hunger, Durst, Hitze, Kälte, stechende Insekten, Beschimpfung, Misshandlung, Abweisung und Krankheit.[31]

Unter den verschiedenen Richtungen im Jainismus ist die radikalste die der Digambaras („Luftgekleideten“), bei denen die Mönche, dem Vorbild Mahaviras folgend, vollständig nackt leben. Einen möglichen Höhepunkt der Askese bildet der rituelle Tod durch freiwilliges Verhungern. Die Jainas legen großen Wert auf die Feststellung, dieses als sallekhana bezeichnete Ritual sei keineswegs ein Selbstmord.[32]

Griechische und römische Philosophie und Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Askese im allgemeinen und im philosophischen Sprachgebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Altgriechischen bezeichnete das Verb askein ursprünglich ein technisches oder künstlerisches Anfertigen oder Bearbeiten, das sorgfältige Betreiben oder Ausüben einer Technik oder Kunst. In diesem Sinne verwendete es Homer. Hinsichtlich des menschlichen Körpers ging es um Ertüchtigung durch Gymnastik oder militärisches Training; Krieger und Athleten wurden als Asketen bezeichnet. Im Bereich der Ethik verstand man unter áskēsis eine Schulung mit dem Ziel, Weisheit und Tugend durch Einübung zu erlangen und so das Ideal der aretḗ (Tüchtigkeit, Vortrefflichkeit) auch im geistigen Sinne zu verwirklichen. Die übertragene Bedeutung (Übung der Tugend oder Tüchtigkeit) ist bereits bei Herodot bezeugt. Der VorsokratikerDemokrit stellte fest: „Mehr Menschen werden durch Übung (ex askḗsios) tüchtig als aus natürlicher Anlage.“[33] Schon bei den frühen Pythagoreern (6./5. Jahrhundert v. Chr.) waren Mäßigung und Selbstbeherrschung sowie die Bereitschaft zum Verzicht Kernbestandteile der philosophischen Lebensweise, die auf Vervollkommnung der Tugendhaftigkeit abzielte. In diesem Milieu hatte Askese auch einen religiösen Sinn; asketische Taten bedeuteten, dass man „dem Gott folgt“.[34]

Sokrates und Platon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vorbild der Tugendhaftigkeit galt Sokrates (469–399 v. Chr.). Sein Schüler Xenophon lobte seine Selbstbeherrschung (enkráteia) und befand, Sokrates habe es darin von allen am weitesten gebracht. Er habe gegenüber Frost und Hitze und allen Mühseligkeiten die größte Ausdauer besessen und die Selbstbeherrschung als Grundlage der Tugendhaftigkeit betrachtet, da ohne sie alle Bemühungen vergeblich seien.[35] Xenophon betonte die Notwendigkeit der geistigen und körperlichen Übung als Mittel zur Erlangung solcher Selbstkontrolle; nach seinem Bericht behauptete Sokrates, durch Üben könnten die von Natur aus Schwächsten die Stärksten übertreffen, falls diese das Training vernachlässigten.[36] Eine ausführliche Beschreibung der Selbstdisziplin des Sokrates und seiner Ausdauer im Ertragen von Mühen und Strapazen gab sein berühmter Schüler Platon in dem literarischen DialogSymposion. Diese vorgelebte philosophische Askese stieß bei den Zeitgenossen allerdings auch auf Kritik. So verspottete der Komödiendichter Aristophanes den Lebensstil des Kreises um Sokrates; er sah darin eine abwegige Modeerscheinung.[37]

Platon plädierte für eine einfache und naturgemäße Lebensweise im Gegensatz zu der üppigen, die er tadelte. Damit meinte er aber nicht Rückkehr zu einer primitiveren Zivilisationsstufe, sondern Reinigung von allem Übermäßigen. Dadurch werde beim Menschen Besonnenheit und innere Ordnung erzeugt. Die lebensnotwendigen Bedürfnisse seien zu befriedigen, nicht aber die, die über das Notwendige hinausgehen. Wie sein Lehrer Sokrates betonte Platon die Wichtigkeit der Erlangung von Selbstkontrolle. Unter Askese verstand er geistige Übungen, die sich auf das Denken und Wollen beziehen und auf aretḗ (Tüchtigkeit, Tugendhaftigkeit, „Gutsein“) abzielen: Man solle „die Gerechtigkeit und die übrige Tugend“ einüben. So übend solle man leben und sterben, dies sei die beste Lebensweise.[38] In den damaligen Diskussionen über die Erziehung und Charakterbildung wurde das Gewicht und das Zusammenspiel dreier Faktoren erörtert: der Naturanlage, der Belehrung und des praktischen Einübens (áskēsis).[39]

Stoa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Stoikern erhielt das asketische „Üben“ eine herausragende Rolle in der philosophischen Lebensführung. Bei ihnen stand der Aspekt der Enthaltung und des Verzichts im Vordergrund. Askese wurde primär als geistige Disziplin aufgefasst. Die körperlichen Aspekte waren ebenfalls wichtig, aber zweitrangig. Körperliche Praktiken ohne geistige Basis und Zielsetzung galten als nutzlos; eine äußerliche, demonstrative Askese mit dem Ziel, andere zu beeindrucken, wurde entschieden abgelehnt.[40] Beherrschung der Gedanken und Triebe sollte den stoischen Philosophen von der Tyrannei der wechselhaften Gemütszustände befreien und ihm damit innere Ruhe und Freiheit verschaffen. Erstrebt wurde die „Apathie“ (apátheia): Zurückdrängung leidvoller und destruktiver Affekte wie Zorn, Furcht, Neid und Hass, im Idealfall Freiheit des Gemüts von jeder Erregung. Die so aufgefasste Apathie galt in der Stoa als Voraussetzung für die Ataraxie (Gelassenheit, Unerschütterlichkeit). Viel Anklang fand das stoische Askese-Ideal in der römischen Kaiserzeit. Der Stoiker Epiktet machte detaillierte Angaben über die erforderlichen Übungsschritte. Ein prominenter stoischer Asket war Kaiser Mark Aurel. Die kaiserzeitlichen Stoiker forderten Erfüllung der Bürgerpflichten, zu denen nach ihrer Überzeugung auch für Philosophen das Heiraten und Kinderzeugen gehörte.[41]

Kyniker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine besonders radikale Askese war das Hauptmerkmal der Kyniker. Sie verstanden darunter vor allem körperliche Abhärtung, die zur Stärkung der Willenskraft führen sollte, und Verzicht auf die Werte und Bequemlichkeiten der zivilisierten Lebensweise. Kynische Philosophen führten ein Wanderleben. Ihren Besitz reduzierten sie auf das Notwendigste, das sie in ihrem Ranzen unterbringen konnten. Die Bedürfnisse wurden radikal auf Elementares beschränkt. Mit dem Armutsideal verbanden die Kyniker aber keine Abwertung des Körpers, der Sexualität und des Genusses; man sollte zwar mit dem Wenigen, das man hatte, zufrieden sein, dieses aber durfte man durchaus genießen. Im Rahmen ihrer konsequenten Ablehnung der herrschenden Moralvorstellungen befürworteten und praktizierten die Kyniker sexuelle Freizügigkeit und spontane Triebbefriedigung. Die sofortige Befriedigung sollte die Hoffnung auf künftigen Lustgewinn überflüssig machen und so der Entstehung vermeidbarer Bedürfnisse vorbeugen. Diogenes von Sinope, ein prominenter Kyniker, soll bemerkt haben, es sei ein Merkmal der Götter, bedürfnislos zu sein, und der gottähnlichen Menschen, nur wenig zu benötigen.[42] Der anekdotischen Überlieferung zufolge lebte Diogenes in einem Fass. Die Kyniker kultivierten ihre Außenseiterrolle in der Gesellschaft und unter den Philosophen: Ihr Hauptinteresse galt den körperlichen Funktionen, staatsbürgerliche Pflichten interessierten sie nicht und mit ihrem provokant ungepflegten Äußeren erregten sie Anstoß.[43] Noch im 4. Jahrhundert polemisierte Kaiser Julian gegen die Kyniker seiner Zeit, obwohl er selbst überzeugter Asket war.

Neupythagoreer und Neuplatoniker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine völlig andere Ausprägung des Askese-Ideals vertraten die kaiserzeitlichen Neupythagoreer. In neupythagoreisch orientierten Kreisen wurde das Ideal lebenslanger sexueller Enthaltsamkeit des Philosophen propagiert, wie der im frühen 3. Jahrhundert von Philostratos verfassten Lebensbeschreibung des neupythagoreischen Asketen Apollonius von Tyana zu entnehmen ist.[44]

Die in der Spätantike dominierende Philosophie, der Neuplatonismus, war von Anfang an asketisch orientiert. Bei den Neuplatonikern stand das Ziel der Befreiung der Seele aus dem Gefängnis des Körpers und ihrer Rückkehr in ihre rein geistige Heimat, die intelligible Welt, im Vordergrund. Als Voraussetzung dafür galt die Auslöschung der körperbezogenen Begierden. Der Neuplatoniker Porphyrios berichtet, dass der römische Senator Rogatianus von der neuplatonischen Lehre so beeindruckt war, dass er auf die Senatorenwürde verzichtete, seinen gesamten Besitz aufgab und alle seine Sklaven freiließ.[45] Der Brief des Porphyrios an seine Frau Marcella ist eine Werbeschrift (Protreptikos) für eine asketische philosophische Lebensweise.

Religiös begründete Enthaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für eine Reihe von Kulten der griechischen und römischen Antike sind Verzichtübungen bezeugt. In der griechischen Religion spielte die Enthaltsamkeit eine größere Rolle als in der römischen. Verbreitet waren Fastenbräuche und sexuelle Askese religiöser Funktionsträger. Zeitweilige Enthaltungsvorschriften galten für die Teilnehmer der Mysterienkulte, deren Weihen erst nach einer mit Verzichten verbundenen Vorbereitungszeit erteilt wurden. Allerdings handelte es sich bei all diesen auf kultische Reinheit abzielenden Verboten nur um rituelle Regeln, aus denen sich kein asketisches Lebensideal entwickelte. Ansätze zu einem solchen finden sich jedoch bei den Orphikern. Diese praktizierten das „orphische Leben“, eine Lebensweise, zu der die Befolgung von Enthaltungsanweisungen und der Gedanke der Verantwortung des Menschen vor der Gottheit gehörten.[46]

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Judentum wies ursprünglich wenig asketische Züge auf, da die Welt als Schöpfung Gottes positiv eingeschätzt und der Genuss ohne Misstrauen betrachtet wurde. Manche Vorschriften zu einer befristeten Enthaltsamkeit und Regulierung des Genusses in der Zeit des Tanach wurzelten nicht in asketischem Gedankengut, sondern in alten magischen Vorstellungen. Dazu gehörte der Glaube an die kultisch verunreinigende Wirkung des Geschlechtsverkehrs, der den Priestern daher vor kultischen Handlungen untersagt war. Auch Weingenuss war vor dem Opferdienst verboten. Zur Vorbereitung auf den Empfang einer göttlichen Offenbarung wurde gefastet.[47]

Die Ausbildung einer asketischen Denkweise begann mit dem Aufkommen des kollektiven Bußfastens, das öffentlich als Ausdruck der Reue angeordnet wurde, um den Zorn Gottes zu stillen und sein Strafgericht abzuwenden. Es entstand die Vorstellung, dass gemeinsames oder auch individuelles Fasten Gott wohlgefällig sei und daher die Wirksamkeit von Gebeten verstärke oder bewirke, dass Gott ein zuvor nicht erhörtes Gebet schließlich doch erhöre. Das Fasten wurde zu einem verdienstlichen Werk, für das man Lohn erhoffte.[48]

In der frühen römischen Kaiserzeit erhob der platonisch beeinflusste Theologe Philon von Alexandria eine philosophisch begründete Askeseforderung. Für ihn waren der PatriarchJakob und Mose vorbildliche Asketen.[49] Zu Philons Zeit gab es im Judentum bereits eine asketische Strömung; er schildert das Leben der „Therapeuten“, einer Gemeinschaft ägyptischer Juden, die ihren Besitz aufgaben und sich zu einem gemeinsamen asketischen Leben aus den Städten in dünn besiedelte Gegenden zurückzogen.[50] Asketisch orientiert waren auch die Essener, eine Gruppe frommer Juden, die auf persönlichen Besitz verzichteten und ein einfaches, genügsames Leben mit Gütergemeinschaft führten. Von ihnen berichtet Flavius Josephus, dass sie die Vergnügungen als Laster betrachteten und die Tugend in der Selbstkontrolle und Überwindung der Leidenschaften sahen. Fortpflanzung lehnten sie ab, stattdessen adoptierten sie fremde Kinder.[51]

In der mittelalterlichen jüdischen Philosophie gewannen unter dem Einfluss des Neuplatonismus oder auch asketischer Strömungen des Islam (Sufismus) weltablehnende Ideen und Konzepte der Entsagung an Bedeutung. Das jüdische Exils-Bewusstsein trug zur Verstärkung solcher Tendenzen bei. Ein gemäßigter Asketismus in Verbindung mit einer neuplatonisch gefärbten Weltsicht findet sich beispielsweise im Buch der Herzenspflichten von Bachja ibn Paquda und im Traktat Meditation der traurigen Seele von Abraham bar Chija, eine negative Wertung sinnlicher Vergnügungen bei Maimonides sowie in der Kabbala. Maimonides’ Sohn Abraham zitiert in seinem Kompendium der Diener Gottes Autoren des Sufismus. Die früher vorherrschende Meinung, dem Judentum sei die Askese gesamthaft fremd gewesen und geblieben, wird in der neueren Forschung korrigiert, und es werden unterschiedliche asketische Impulse bei mittelalterlichen jüdischen Autoren in den Blick genommen. Gemeinsam ist diesen jüdischen Askesebefürwortern, dass sie einen Rückzug aus der Gesellschaft verwarfen. Sie erwarteten vom Asketen, dass er am gesellschaftlichen Leben Anteil nehme und seine sozialen Aufgaben erfülle.[52]

Gnosis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In manchen der antiken gnostischen Gemeinschaften galten asketische Praktiken (sexuelle Enthaltsamkeit, Fasten, Verzicht auf Fleischgenuss) als heilsnotwendig. Das Motiv war radikale Weltablehnung. Auch der Manichäismus, eine im 3. Jahrhundert entstandene, vom Gedankengut der Gnosis geprägte Religion, betonte die Notwendigkeit einer enthaltsamen Lebensweise. Die Manichäer forderten von ihrer Elite (lateinisch electi „die Erwählten“) lebenslange sexuelle Enthaltsamkeit, ein Leben in Armut sowie häufiges und strenges Fasten.[53]

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Askese gehört seit Anbeginn zur christlichen Lehre und Überlieferung. Sie dient dem Streben nach Vollkommenheit im Sinne der christlichen Tugendlehre. Als radikalste Form asketischen Lebens entstand in der Antike zunächst das Eremitentum und dann das koinobitische Mönchtum, das im Mittelalter zu den bedeutendsten Faktoren der Kulturgeschichte zählte. Im Zeitalter der Reformation kam es jedoch zu einer fundamentalen Kritik am Konzept des Mönchtums und damit auch am traditionellen Ideal der Askese.

Neues Testament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Neuen Testament kommt das Substantiv Askese nicht vor und das Verb askein nur an einer Stelle (Apostelgeschichte 24,16) im Sinne von ‚sich bemühen‘ ohne Zusammenhang mit Askese. Jesus kritisierte die zu seiner Zeit gängige Praxis einer demonstrativen Askese (Matthäus 6,16–18), doch richtete sich diese Kritik nicht gegen die Askese als solche, sondern gegen ihre Zurschaustellung in der Absicht, dadurch Ansehen zu gewinnen.

Obwohl ein Begriff fehlt, wird Verzicht im asketischen Sinn im Neuen Testament oft und ausführlich thematisiert. Beispiele sind in den Evangelien Markus 8,34: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (vgl. Lukas 9,23); Lukas 14,26: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein“ (vgl. Lukas 14,33); Matthäus 5,29 f.: „Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! […] Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg!“; Lukas 21,36: „Wacht und betet ohne Unterlass“ (aufgegriffen in 1 Thessalonicher 5,17 und 2 Timotheus 1,3); Matthäus 6,16–18 (Empfehlung des Fastens mit Verheißung eines himmlischen Lohns dafür); Matthäus 19,12 (Ehelosigkeit um des Himmelreichs willen); Matthäus 19,21: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben“. Jesus weist auf seine Heimatlosigkeit hin, er „hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Matthäus 8,20). Unter den Evangelisten betont vor allem Lukas die Notwendigkeit strenger Askese. Er nennt neben der Gerechtigkeit die Enthaltsamkeit (enkráteia) als wesentliches Merkmal der christlichen Lehre.[54]

Anhaltspunkte zur Begründung einer asketischen Weltablehnung bieten auch Stellen im Johannesevangelium (Johannes 15,19) und im ersten Johannesbrief (1 Johannes 2,15–17). Hinzu kommt das Beispiel des Asketen Johannes des Täufers und seiner Jünger. Er predigte in der Wüste, ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig und ließ seine Jünger fasten (Markus 1,4–6 und 2,18; Matthäus 11,18).[55]

In den Briefen des Apostels Paulus wird verschiedentlich asketisches Gedankengut vorgetragen. Dabei kommt das Vokabular des sportlichen Wettkampfs (Agon), insbesondere des Wettlaufs, zum Einsatz. Paulus vergleicht die Mühen einer christlichen Lebensführung mit der Disziplin der Athleten, die Entbehrungen auf sich nehmen, um einen Kampf zu gewinnen. Das Ziel ist der Siegeskranz, den der Apostel zu einer eschatologischenMetapher macht.[56] So schreibt er: „Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib“ (1 Korinther 9, 25–27); „Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben“ (Römer 8,13); „Darum sage ich: Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber“ (Galater 5,16 f.); „Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt“ (Galater 5,24); „Darum tötet, was irdisch an euch ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist“ (Kolosser 3,5). Die Askese, die Paulus befürwortet, ist geistbezogen; er kritisiert das Quälen des Körpers, das in Wirklichkeit nur zur Befriedigung der irdischen Eitelkeit diene (Kolosser 2,23). Auch der Verfasser des Ersten Timotheusbriefs, der sich gegen Ehe- und Speiseverbote wendet, warnt vor einer Überbetonung der körperlichen Übung (1 Timotheus 4,8).[57]

Epoche der Kirchenväter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 2. Jahrhundert ist der Begriff Askese in griechischer theologischer Literatur bezeugt. Er wurde zuerst in Alexandria verwendet, wo der Einfluss Philons nachwirkte. Schon früh machte sich im erbaulichen Schrifttum der Christen ein asketischer Zug bemerkbar. Gewöhnlich begründete man die Enthaltsamkeitsforderung mit der Nachfolge Jesu, manchmal auch mit der Endzeiterwartung; man glaubte sich für die Schrecken der bevorstehenden Endzeit vor dem Weltuntergang wappnen zu müssen. Ein weiteres Motiv war der unablässige Kampf gegen den Teufel, den nach einer damals verbreiteten Überzeugung nur Asketen gewinnen können.[58] Hinzu kam bei manchen Christen der Wunsch, schon in der Gegenwart die künftige Daseinsweise im Himmelreich, wo es keine irdischen Genüsse geben soll, vorwegzunehmen und möglichst wie die Engel zu leben.[59]

In den Apokryphen zum Neuen Testament, besonders den apokryphen Apostelakten, die zur erbaulichen Unterhaltungsliteratur des frühen Christentums zählten, wurde auf Keuschheit und Armut großer Wert gelegt. Der im späten 2. und frühen 3. Jahrhundert tätige KirchenvaterClemens von Alexandria hob die Bedeutung asketischer Übung hervor und empfahl die Ausrottung aller triebhaften Regungen. Er deutete allerdings das Armutsgebot der Evangelien nicht buchstäblich, sondern allegorisch: Der Besitz, den man aufgeben müsse, seien die unerwünschten Leidenschaften.[60] Dieser Ansicht widersprach im 3. Jahrhundert Origenes, der sich für ein streng wörtliches Verständnis einsetzte und argumentierte, sogar ein Nichtchrist, der ursprünglich reiche Kyniker Krates von Theben, habe seinen gesamten Besitz verschenkt, um seelische Freiheit zu erlangen; daher müsse ein Christ erst recht dazu in der Lage sein.[61] Origenes interpretierte die Nachfolge Jesu so radikal, dass er die Stelle Matthäus 19,12, wo von freiwillig herbeigeführter Eheunfähigkeit um des Himmelreichs willen die Rede ist, als Aufforderung zur Selbstkastration deutete und daraus für sich die Konsequenz zog. Seine Tat, die er später bereute, fand Nachahmer. Nachdrücklich trat auch Tertullian für die Askese ein. Er betrachtete das Fasten als Sühne, die der Mensch für die Tat Adams, der sein Heil wegen seiner Esslust verscherzte, zu leisten habe. Dadurch könne sich der Mensch mit dem erzürnten Gott aussöhnen. Die Vorstellung, dass Adams Vertreibung aus dem Paradies seiner Genusssucht zuzuschreiben sei und die Menschheit sich den Weg ins Himmelreich durch das gegenteilige Verhalten (Fasten) ebnen könne, war verbreitet; in der Spätantike vertrat sie u. a. der Kirchenvater Basilius der Große.[62] Generell galt das Fasten als verdienstlich. Das vierzigtägige Fasten Jesu in der Wüste (Matthäus 4,2–4), bei dem er schließlich Hunger empfand, aber der Versuchung durch den Teufel widerstand, diente als Vorbild für die erforderliche Standhaftigkeit.[63] Bei gebildeten spätantiken Kirchenvätern wie Johannes Chrysostomos, Ambrosius von Mailand, Hieronymus, Basilius dem Großen und Gregor von Nyssa machte sich in der Argumentation für eine asketische Lebensweise auch der Einfluss von stoischen, kynischen und neuplatonischen Ideen und Vorbildern bemerkbar.

Im späten 3. Jahrhundert verbreitete sich in Ägypten das Einsiedlertum der ersten Anachoreten. Sein berühmtester und einflussreichster Vertreter war der oft als Vater des Mönchtums bezeichnete Eremit Antonius der Große. Die Mönche lebten um der Askese willen in der Wüste (Wüstenväter), teils in Mönchszellen, teils als Wanderasketen. Als höchste Stufe der Askese galt die Nacktheit; einzelne Einsiedler verwirklichten ihr Armutsideal so radikal, dass sie auf jede Kleidung verzichteten.[64]

Antonius der Große betrachtete die Askese nicht als Verdienst, sondern als Pflicht. Nach seiner Überzeugung verschafft sie dem Asketen die Fähigkeit zu vollkommener Erfüllung der Gebote und macht ihn des Himmelreichs würdig. Zu den ersten Voraussetzungen dafür gehört die Absage an die „Welt“. Das bedeutet Verzicht auf den materiellen Besitz und Abstreifung aller familiären Bindungen. Der Kirchenvater Athanasius der Große trug mit seiner Lebensbeschreibung des Antonius maßgeblich zur Verbreitung dieses Gedankenguts bei. Aus dem ägyptischen Einsiedlertum entwickelten sich im frühen 4. Jahrhundert die ersten organisierten Mönchsgemeinschaften. Sie übernahmen das Askese-Ideal der Eremiten in abgewandelter Form. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei der Klostergründer Pachomios († 347).[65]

Die auf den Lehren der Wüstenväter fußende Strömung war zivilisations- und bildungsfeindlich, sie lehnte die „heidnische“ kulturelle Tradition ab. Ihre Einstellung bildet den Gegenpol zur Auffassung des Kirchenvaters Hieronymus, der für eine andere Richtung im Mönchtum vorbildlich wurde. Hieronymus lebte zwar asketisch, warb für diese Lebensform und verherrlichte das asketische Wüstenleben, war aber zugleich Gelehrter und verbrachte seine Zeit mit Vorliebe in seiner umfangreichen Bibliothek. Er wurde zum Urbild des gebildeten Christen, der Askese mit klassischer antiker Bildung und wissenschaftlicher Arbeit verbindet. Allerdings war sein Verhältnis zu den traditionellen Bildungsgütern schwankend und spannungsvoll.[66]

In Syrien entstand im 5. Jahrhundert eine Sonderform des Asketentums: die spektakuläre Lebensweise der Säulenheiligen (Styliten), die dauerhaft auf Säulen Wohnsitz nahmen. Schon in vorchristlicher Zeit war es üblich, dass ein Verehrer des Gottes Dionysos zweimal jährlich eine der phallischen Säulen im Tempel von Hierapolis Bambyke bestieg und für jeweils sieben Tage oben verblieb. Man glaubte, er sei in dieser Zeit der Gottheit nahe. Der erste Säulenheilige, Symeon Stylites der Ältere, baute sich die Säule, die ihm dann als Wohnstätte diente.[67]

In breiten Volksschichten war die Achtung vor den Säulenheiligen und die Bewunderung ihrer Lebensweise groß. Auch sonst genossen Asketen in der Spätantike höchstes Ansehen. Schon Antonius der Große war so angesehen, dass ein Briefwechsel mit ihm als besondere Auszeichnung galt und sogar der römische Kaiser ihm schrieb. Viele Christen, darunter Prominente, machten sich auf den Weg in die Wüste, um von den Eremiten Rat und Hilfe zu erbitten. Damit vereitelten sie das Bestreben der Einsiedler, zurückgezogen in der Einsamkeit zu leben, und veranlassten sie in manchen Fällen zur Flucht an entlegenere Orte. Für die Asketen war der Ruhm eine Herausforderung.[68]

Außerkirchliche, von der Großkirche als häretisch eingestufte christliche Gemeinschaften vertraten oft einen rigoroseren Asketismus als die kirchlichen Amtsträger und Schriftsteller. Zu ihnen gehörten die Montanisten sowie Gruppen und Individuen, die von ihren kirchlichen Gegnern als Enkratiten („Sich beherrschende“ oder „Enthaltsame“) bezeichnet wurden oder sich auch selbst so nannten. In diesen Kreisen wurde das Ideal der sexuellen Enthaltsamkeit so betont, dass die Ehe und Fortpflanzung als unerwünscht oder zumindest suspekt galt und insbesondere eine zweite Eheschließung nach dem Tod des ersten Ehepartners verworfen wurde. Die Enkratiten – darunter der prominente Theologe Tatian – wurden zwar von den Kirchenvätern als Häretiker bekämpft, doch erwies sich die Abgrenzung von ihnen als schwierig, denn das enkratitische Askeseideal hatte auch innerhalb der Kirche zahlreiche Anhänger, deren Überzeugungen sich von denen der außerkirchlichen Enkratiten kaum unterschieden. Insbesondere in der syrischen Kirche war ein enkratitisches Askeseverständnis die herrschende Lehre.[69]

Auch vornehme Frauen entschieden sich für eine asketische Lebensweise, oft nach ihrer Verwitwung. Teils blieben sie in ihrem bisherigen Stand, teils traten sie in Klöster ein. Sie widmeten sich körperlicher Arbeit, karitativen Aktivitäten und dem Studium religiöser Literatur.[70]

Bei gebildeten spätantiken Nichtchristen stieß die christliche Askese auf Unverständnis und heftige Kritik. Sie wurde als Dummheit, Krankheit und Wahnsinn eingestuft. Auch unter den Christen gab es Kritiker.[71] Zu ihnen zählte der zeitweilig einflussreiche Kirchenschriftsteller Jovinianus, der meinte, das Fasten sei nicht verdienstvoller als das Essen mit Dankbarkeit und es bestehe kein Rangunterschied zwischen keuschen Jungfrauen und Ehefrauen. Jovinianus warnte die asketisch Gesinnten vor Arroganz. Gegen ihn polemisierte der Kirchenvater Hieronymus, der überzeugt war, dass die asketische Lebensweise die verdienstvollste und jeder anderen überlegen sei. Daraus leitete Hieronymus eine Rangordnung ab; er meinte, den Asketen werde im künftigen Reich Gottes eine höhere Belohnung zuteilwerden als den übrigen Christen.[72]

Mittelalterlicher Katholizismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der Betonung asketischer Lebensführung in der Epoche der Kirchenväter wurden die Begriffe „Askese“ und „Asket“ nicht aus dem Griechischen ins Lateinische übernommen oder übersetzt.[73] Daher wurden sie wie schon in der Antike auch im Mittelalter außerhalb des griechischen Sprachraums nicht verwendet. Die allgemeinste lateinische Bezeichnung für Askese war disciplina, ein Begriff, der allerdings ein größeres Bedeutungsfeld abdeckte. Die Praktiken nannte man „Übungen“ (exercitia).

Hauptträger der asketischen Tradition war im Mittelalter wie schon in der Spätantike das Mönchtum. Die Grundlage bildete zunächst die in den 540er Jahren verfasste Benediktsregel. Der Ordensgründer Benedikt von Nursia praktizierte zwar persönlich eine harte Askese, doch die Vorschriften in seiner Regel für den Benediktinerorden sind im Vergleich mit den antiken Mönchsregeln der griechischsprachigen Welt relativ milde. Die Mäßigung in der asketischen Praxis trug wesentlich zum Erfolg und zur anhaltenden Beliebtheit der benediktinischen Ausprägung des Mönchtums bei.[74]

In manchen Klöstern des Fränkischen Reichs und des Langobardenreichs galt im Frühmittelalter die stärker asketisch ausgerichtete Regel des aus Irland stammenden Klostergründers Columban von Luxeuil († 615), doch setzte sich schließlich die Benediktsregel in Westeuropa allgemein durch. Im irischen Mönchtum, das sich auch auf dem Festland ausbreitete, war die Neigung zur Askese besonders ausgeprägt. Zu den irischen Asketen zählten auch zahlreiche Wandermönche und Eremiten. Das Pilgern (lateinisch peregrinatio) fern der Heimat, die Auswanderung in fremde Länder und auf einsame Inseln galt bei den Iren als harte und darum besonders geschätzte Form der Askese.[75]

Zum Schrifttum, aus dem die frühmittelalterlichen Asketen West- und Mitteleuropas maßgebliche Anregungen bezogen, gehörten insbesondere Darstellungen von Leben und Lehren der antiken Wüstenväter. Der Kirchenvater Johannes Cassianus, der in der ägyptischen Wüste gelebt hatte und dann im frühen 5. Jahrhundert in Marseille ein Kloster gründete, spielte als Vermittler des asketischen Gedankenguts der ostkirchlichen Mönche eine zentrale Rolle. Neben seinen weit verbreiteten Schriften waren lateinische Übersetzungen griechischsprachiger Literatur zur Spiritualität des orientalischen Mönchtums wegweisend.[76]

Eine gesteigerte Form der Askese praktizierten die Inklusen oder Reklusen. So nennt man Männer und Frauen, die sich in separat gelegenen, oft an eine Kirche angebauten Zellen einschließen oder einmauern ließen, die sie dann gewöhnlich bis zum Tod nicht mehr verließen. Die Einschließung wurde in einem rituellen Akt vollzogen. Manche Inklusen lebten im Bereich eines ländlichen Klosters, andere in den Städten. Wegen ihrer anspruchsvollen Askese brachte ihnen die Bevölkerung besondere Achtung entgegen; als Ratgeber waren sie sehr geschätzt.[77]

Die zahlreichen Reformbewegungen des mittelalterlichen Mönchtums und neuen Ordensgründungen zielten auf Rückkehr zu einem idealisierten früheren Zustand und auf Wiedergewinnung verloren gegangener Wertmaßstäbe. Der Kampf der Reformer richtete sich gegen die Verweltlichung des Klosterlebens. In der Praxis bedeutete das eine neue Einschärfung der Askese, deren Aufweichung als Verfallserscheinung beklagt wurde. Innerhalb des Benediktinerordens berief man sich diesbezüglich auf die Benediktsregel, die genau zu befolgen sei. Träger solcher Reformimpulse waren unter anderem Benedikt von Aniane († 821), die Cluniazenser (10.–12. Jahrhundert) und die Zisterzienser (ab 1098). Der im 12. Jahrhundert gegründete Karmelitenorden fußte auf dem Prinzip des asketischen Eremitentums. Ebenfalls von Anfang an stark asketisch ausgerichtet waren die im frühen 13. Jahrhundert gegründeten Bettelorden – Franziskaner und Dominikaner – sowie die etwas später entstandene Gemeinschaft der Augustinereremiten. Mit ihrem Ideal der Armut (Besitzlosigkeit, Lebensunterhalt durch Almosen) erneuerten sie die Lebensweise des alten Wanderasketentums. Meinungsverschiedenheiten über die Frage, wie radikal das franziskanische Armutsideal zu verwirklichen sei, führten zum Armutsstreit und erschütterten den Orden nachhaltig.[78]

Der im späten 11. Jahrhundert entstandene, noch heute bestehende Orden der Kartäuser legt seit seiner Gründung auf die asketische Praxis besonderes Gewicht. Seine Blütezeit erlebte er im Spätmittelalter. Die Niederlassungen der Kartäuser, die Kartausen, verbinden Elemente des klösterlichen und des eremitischen Lebens. Die Mönche und Nonnen leben im Klosterkomplex der Kartause in separaten, als kleine Einzelbauten angelegten Zellen, in denen sie auch die Mahlzeiten einnehmen; nur an Sonn- und Feiertagen wird gemeinsam gespeist. Charakteristisch für die Kartäuser ist das Gebot des nur selten unterbrochenen Schweigens. Zu ihrer Askese gehören das Arbeiten in der Zelle, karges Essen und strenges Fasten; Fleischnahrung ist verboten.[79]

Neben der Enthaltsamkeit gab es auch verbreitete Formen der Askese im Sinne einer Kasteiung. Dabei fügte sich der Asket heftige Schmerzen zu und verwundete auch seinen Körper. Dies war einerseits eine Bußübung, andererseits zugleich ein Mittel zur Abtötung körperlicher Begierden. Ein frühes und sehr berühmtes Vorbild dafür war Benedikt von Nursia. Über ihn erzählt Papst Gregor der Große in seiner einflussreichen Schrift Dialogi, der Teufel habe den heiligen Benedikt in Versuchung geführt, indem er ihm das Bild einer schönen Frau vor Augen stellte. Darauf habe sich der Heilige nackt in ein Nessel- und Dornengestrüpp geworfen und sich lange darin gewälzt, bis er am ganzen Körper verwundet war. Damit habe er das verführerische Feuer im Inneren für immer gelöscht.[80] Sowohl Geistliche als auch Laien wandten vielfältige Methoden der Selbstpeinigung an, wobei insbesondere Geißeln (Peitschen) zum Einsatz kamen (Selbstgeißelung). In der hagiographischen Literatur, den sehr beliebten Erzählungen vom Leben der Heiligen, wurden derartige Praktiken häufig als rühmenswerte Leistungen angeführt und genau beschrieben. Öffentliche Selbstgeißelung praktizierten im Spätmittelalter die Flagellanten („Geißler“).[81]

Neuzeitlicher Katholizismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Frühen Neuzeit kam es immer wieder zur Aufspaltung von Orden in eine mildere und eine strengere, asketischere Richtung („Observanz“) oder zu Ordensneugründungen wegen Unzufriedenheit mit der Verweltlichung bereits bestehender Orden. So spaltete sich im 16. Jahrhundert der Franziskanerorden in die Minoriten und die strengeren „Observanten“ (Ordo Fratrum Minorum). Von den Observanten spalteten sich die besonders asketisch gesinnten Kapuziner ab. Im Karmelitenorden war in den 1430er Jahren eine „gemilderte Regel“ eingeführt worden, die innere Auseinandersetzungen hervorrief und von einem Teil der Gemeinschaft abgelehnt wurde. Eine von Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz initiierte Reformbewegung führte im späten 16. Jahrhundert zur Trennung der „unbeschuhten“ (barfüßigen) Karmeliten von den „beschuhten“, den Anhängern der alten Observanz. Im 17. Jahrhundert bildete sich im Zisterzienserorden der Reformzweig der Trappisten („Orden der Zisterzienser von der strengeren Observanz“).

Im Zuge der Gegenreformation entwarf Ignatius von Loyola, der erste Ordensgeneral der Jesuiten, die Exerzitien („geistlichen Übungen“), die 1540 weitgehend vollendet waren und 1548 mit päpstlicher Genehmigung gedruckt wurden. Dabei handelt es sich eigentlich nach der Absicht des Verfassers um eine Sammlung von Materialien, Direktiven und Vorschlägen für geistliche Lehrmeister, die ihren Schülern Übungen geben, nicht um eine Schrift zum Selbststudium für den Übenden. Das Ziel der asketischen Übungen besteht der Einleitung zufolge darin, alle „ungeordneten Anhänglichkeiten“ aus der Seele zu entfernen. In ihrer vollen Form dauern die Exerzitien vier Wochen. In dieser Zeit widmet sich der Übende nichts anderem.

In den fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts wurde der Begriff Theologia ascetica (Aszetik) in die katholische theologische Fachsprache aufgenommen. Darunter versteht man die theologische Reflexion auf asketische Bemühungen. Heute wird der Begriff nur noch wenig verwendet, die Aszetik ist in die „spirituelle Theologie“ integriert.[82]

Im katholischen theologischen Schrifttum des 19. und 20. Jahrhunderts wurde häufig hohe Wertschätzung für die Askese ausgedrückt. Es erschienen Hand- und Lehrbücher, die eigens diesem Thema gewidmet waren,[83] darunter der 1853–1865 von Jacques Paul Migne herausgegebene zweibändige Dictionnaire d’ascétisme. In der ersten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche definierte 1930 der Verfasser des Artikels über die Askese diese als „Bekämpfung alles dessen in uns, was aus der Sünde stammt und zur Sünde führt, die Niederhaltung aller gefährlichen Naturkräfte in uns, alles Sinnlichen, Selbstsüchtigen, […] ferner manche freiwillige Entsagungen in Erlaubtem, gemäß dem auch für das Triebleben gültigen Grundsatz vom Angriff als bester Abwehr“.[84] Im Zeitraum 1937–1995 gaben Jesuiten in Paris ein umfassendes Nachschlagewerk heraus, den sechzehnbändigen Dictionnaire de spiritualité. Ascétique et Mystique.

Orthodoxe Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den orthodoxen Kirchen ist hinsichtlich der Askese das Mönchtum tonangebend. Zu den maßgeblichen Theologen, die das asketische Leben beschrieben, zählt der Mönch Maximus Confessor (Maximos der Bekenner, † 662).[85] Die Askesepraktiken sind besonders stark von den Gesichtspunkten geprägt, die im monastischen Leben im Vordergrund stehen: Stille, Einsamkeit, Wachen und Fasten. Außerdem wird auf einen Zusammenhang mit einer spirituellen „Schönheit“ Gewicht gelegt; so befand der russisch-orthodoxe Religionsphilosoph Pawel Alexandrowitsch Florenski (1882–1937), die Askese bringe nicht eine „gute“, sondern eine „schöne“ Persönlichkeit hervor.[86]

Eine spezifisch orthodoxe Form der asketischen Übung ist das hesychastische Gebet. Dabei handelt es sich um eine schon im Mittelalter bei den byzantinischen Mönchen verbreitete Gebetspraxis. Ihr einflussreichster Befürworter war der Theologe Gregorios Palamas († 1359), eine der höchsten Autoritäten der orthodoxen Kirchen. Zur hesychastischen Praxis gehören körperbezogene Anweisungen wie die Konzentration auf die Körpermitte und die Regulierung des Atems. Nach dem Verständnis der Hesychasten handelt es sich dabei nicht um die mechanische Anwendung einer Technik, die darauf abzielt, spirituelle Ergebnisse herbeizuführen und so die göttliche Gnade herbeizuzwingen. Vielmehr sei der Zweck der körperbezogenen Vorschriften nur die Erzeugung und Bewahrung der für die Gebetsübung unerlässlichen Konzentration. Ein wesentlicher Bestandteil der hesychastischen Erfahrung sind Lichtvisionen der Mönche. Die betenden Hesychasten meinen ein überirdisches Licht wahrzunehmen.[87]

Reformatorische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Martin Luther war seine schrittweise entwickelte fundamentale Kritik an der mönchischen Askese, die er zuvor selbst eifrig praktiziert hatte, ein wichtiger Ausgangspunkt seines Weges zur Reformation. Er sah die Askeseübungen der Mönche als Ausdruck eines versteckten Hochmuts, nämlich der (zumindest impliziten) Vorstellung, solche Anstrengungen stellten Verdienste dar und man könne damit einen besonderen Grad der Heiligkeit erreichen. Eine solche Haltung verurteilte Luther als Werkgerechtigkeit.[88]

Die Schweizer Zwinglianer und vor allem die Calvinisten praktizierten von Anfang an einen disziplinierten Lebensstil mit asketischen Zügen, den später auch verschiedene auf dem Calvinismus fußende oder von ihm beeinflusste Glaubensrichtungen übernahmen. Prägende Elemente sind die Wertschätzung harter Arbeit, Affektkontrolle und die Ablehnung weltlicher Genüsse und eines als luxuriös betrachteten Konsums. Hingabe an den Genuss irdischer Güter gilt als Vergötterung von Erschaffenem und damit als Götzendienst

Buddhistische Mönche in Thailand beim Bettelgang
Der nackte Asket Mahavira empfängt Almosen (neuzeitliche Darstellung in einem Jaina-Tempel)
Die Säulenheiligen Symeon Stylites der Ältere (links) und Symeon Stylites der Jüngere auf einer Ikone
Eremitenkapelle (Erweiterung einer bis ins 17. Jahrhundert bewohnten Eremitenzelle) bei Fore Abbey, Irland
Flagellanten auf einem Holzschnitt des 15. Jahrhunderts
Byzantinische Darstellung des Hesychasten Gregorios Palamas
Behausungen von griechisch-orthodoxen Eremiten am Berg Athos, dem traditionellen Zentrum des Hesychasmus

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